Darmstädter Echo: 4.11.2002 

Mägde schleppten einst Wasser herbei
Exkursion: Führung durch das Babenhäuser Schloss sah rund 100 Teilnehmer – Ausflug in die Geschichte mit dem Verein der Schlossfreunde – Neues Buch zur Heimatforschung

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BABENHAUSEN. Mit Drehorgelmusik und in altertümlicher Tracht empfing im Babenhäuser Schlosshof Heinz Lach die rund 100 Teilnehmer an einer besonderen Schlossführung, zu der die Babenhäuser Schlossfreunde eingeladen hatte, die sich um ihren Vorsitzenden Uwe Friedrich als Verein formiert haben und für die Erhaltung und Nutzung des historischen Gebäudes eintreten. Nach der Bürgermeisterwahl werde es sicherlich Fortschritte in der Frage der Zukunft des Schlosses geben, meinte Friedrich.

Uwe Friedrich konnte auch die vier Bürgermeister-Kandidaten begrüßen, die am kommenden Sonntag zur Wahl stehen. Beifall gab es für Anneliese Wolpert, die Gattin des verstorbenen Schlossbesitzers Dr. Eugen Wolpert, die die Führung möglich gemacht hatte. Applaus galt ebenso dem Dieburger Heimatforscher Hans Dörr, dessen neues Buch „Grafen, Vögte, Ackerbürger“ in diesem Jahr der Babenhäuser Heimat- und Geschichtsverein mit vielen neuen Forschungsergebnissen über Babenhausen herausgebracht hat.

Gekommen war auch der Leiter des Forstamtes Babenhausen, Kurt Schäfer, der später eine Führung durch den Schlosspark anbot, ebenso Architekt Ottfried Rau, der seit rund fünf Jahren mit der Sanierung des Schlosses zu tun hat, das vor einigen Jahren als nationales Denkmal eingestuft worden ist, in dessen Sanierung schon viel Geld gesteckt wurde - und noch werden muss. Zurzeit wird noch das Dach auf dem letzten Abschnitt über den Westflügel instand gesetzt. Das ist vorerst der letzte Sanierungs-Abschnitt, wie der Architekt erläuterte.

An dem aus dem Jahre 1719 stammenden Hirschbrunnen sprach Heimatforscher Dörr über die frühere Wasserversorgung des Schlosses. Da sprudelte einst sogar ein Springbrunnen auf dem Schlossgelände. Und es gab Zeiten, in denen 15 „Wasser-Mägde“ in Fronarbeit Wasser in das Schloss schleppen mussten. Der Springbrunnen, der noch vor dem Dreißigjährigen Krieg in Betrieb war, wurde mit Wasser aus einem Bach gespeist. Ab 1590 lief der Brunnen nicht mehr, der Schlossgraben war verschlammt. Um 1700 wurde nach neuen Quellen gesucht. Bis aus dem sechs Kilometer Luftlinie entfernt liegenden Schlierbach wurde durch Ton- und Holzrohre Wasser zum Schloss zum Hirschbrunnen am Südflügel des Schlosses geleitet.

Architekt Rau und Anneliese Wolpert führten anschließend durch die Räume des Gebäudes, wo inzwischen die so genannte Instandsetzungs-Universität ihren Betrieb aufgenommen hat. Zum Abschluss der Führung gab es eine besondere Überraschung für die Teilnehmer: „Schlosstaler“ aus Lebkuchen und einen „Schlossgeist“ zum Trinken.