Offenbach Post: 14.02.2002

Schlossfreunde: Endlich Gesellschaften gründen

Babenhausen (op/eha)  

Der Verein Schlossfreunde meldet sich zu Wort: In einem ausführlichen Antrag an den Magistrat bittet der Verein, umgehend die für den Erwerb des Schlosses nötigen Gesellschaften, eine GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin sowie eine Kommanditgesellschaft (GmbH&Co KG), zu bilden. Das sei nur die Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 2. August vergangenen Jahres, heißt es in dem vom Vorsitzenden der Schlossfreunde, Uwe Friedrich, unterzeichneten Schreiben. Entwürfe für diese Gesellschaftsverträge der Firma Schüllermann und Partner liegen der Stadt bereits seit Ende August vor. Bürgermeister Kurt Lambert hatte die Dreieicher Firma sofort nach dem Beschluss mit der Erstellung der Entwürfe beauftragt, die die Stadt auch aus eigener Tasche bezahlen muss.

Deren Geschäftsführer, Rechtsanwalt Gunter Anders, habe vorher mit ihm ein "kollegiales Rechtsgespräch zum groben Konzept der Verträge" geführt, berichtet Uwe Friedrich. Vorgeschlagen wird die Bildung einer Stadtentwicklung Babenhausen GmbH, ausgestattet mit einem Mindeststammkapital von 25 000 Euro. Die Kommanditgesellschaft soll einen Kapitalanteil von 1,9 Millionen Euro erhalten.

Alle bisherigen Hindernisse, diese Vertragsentwürfe auch umzusetzen, wären jetzt beseitigt, so die Schlossfreunde. Friedrich: "Der Nachtragshaushalt 2001 ist ohne Beanstandung genehmigt, der Haushalt für 2002 ist beschlossen. Der Widerspruch des Bürgermeisters gegen den Beschluss vom 2. August 2001 ist gemäß gegebenem Versprechen zurückgenommen."

Den Hinweis auf die miserable Finanzlage der Stadt als "Schloss-Hinderungsgrund" lässt Friedrich nicht gelten. Nach der neuesten Mitteilung des Bundes der Steuerzahler habe Babenhausen Ende 2000 bei der Pro-Kopf-Verschuldung mit 381,90 Euro auf Rang 87 von 426 hessischen Kommunen, also im Bereich des besten Fünftels, gelegen. Die hessischen Gemeinden sind durchschnittlich mit 1 420,63 Euro pro Kopf verschuldet.

Angesichts der Vorgänge der letzten Monate in Babenhausen könne man es der Erbin des Schlosses, Annelise Wolpert, nicht verübeln, wenn sie sich mit Ablauf des 28. Februar an einen international spezialisierten Hamburger Immobilienmakler zu wenden beabsichtigt, meinen die Schlossfreunde. Dies ist so auch der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt worden (wir berichteten). Man könne froh sein, dass Frau Wolpert die wertvolle Immobilie nicht schon früher auf dem globalen Markt angeboten habe.

In verschiedenen Gesprächen haben die Schlossfreunde den Eindruck gewonnen, dass Frau Wolpert und ihre Söhne mit ihren bisherigen Verhandlungen auch der 20-jährigen Bindung der Familie an Babenhausen gerecht werden wollten.

Jetzt aber müsse gehandelt und der längst vorhandene Stadtverordnetenbeschluss umgesetzt werden, so Friedrich. Und abschließend sprechen die Schlossfreunde eine Warnung aus: "Schnelles und entschlossenes Handeln erscheint geboten, um die ernsthaft drohende Gefahr abzuwenden, dass das Babenhäuser Schloss in falsche Hände gerät, und die berechtigten Interessen der Stadt möglicherweise auf alle Zeiten vergeben sind."