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Darmstädter Echo: 30.01.2002 zur Podiumsdiskussion vom 28.01.2002 |
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Babenhausen: Schlossverkauf schürt die
Emotionen Diskussion lässt Fragen offen – Abbruch im Parlament BABENHAUSEN (rj). Weil der Bundestagsabgeordnete Heinz Kolb (FDP) die großen Fragen in Berlin mitbeantworten musste, fehlte der neuen Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP in Babenhausen eine Stimme zur Mehrheit. Patt im Parlament, 18 zu 18 Stimmen. Die CDU habe alle Stadtverordneten mobilisiert, schimpfte ein SPD-Vertreter. So wäre der Haushalt mit der bei der CDU umstrittenen Schlossfinanzierung also nicht durchzusetzen gewesen. Indem SPD, Grüne und FDP den Saal verließen, war das Parlament nicht mehr beschlussfähig. Nun wird die Entscheidung über den Etat am Montag (4.) nachgeholt. Dafür war Zeit gewonnen, zur Podiumsdiskussion nach Harreshausen zu eilen. Und so trafen nach und nach etliche Parlamentarier ein, um zu erleben, wie die Gründungsmitglieder der Privat-Universität streckenweise enthusiastisch für ihr Vorhaben warben. Sie wollen im Schloss ihre Zentrale eröffnen. Von dort aus soll die „Europäische Instandhaltungs-Universität“ wachsen und wachsen. Was am Start mit 40 Professoren und Dozenten sowie 150 Studenten noch in diesem Herbst beginnen soll, werde bald in Babenhausen zum Bau von Vorlesungssälen, Studentenbuden, Wohnungen für Lehrkräfte sorgen. Die Aufträge sollen Firmen im Ort und aus der Region erhalten; von Büroklammern über Bücher bis zum Baumaterial. Tausend Studenten, Lehrpersonal und deren Familien würden in einigen Jahren das Babenhäuser Gewerbe beleben, in die Gaststätten einkehren, die Steuerkraft mehren. Im Ausland sollen später zudem ähnliche Einrichtungen entstehen. Die Zentrale bleibe jedoch Babenhausen, mit dessen Wappen nun nach einem Magistratsbeschluss bereits die Privat-Universität wirbt. In den Sparten Technik, Betriebswirtschaft und Informatik sollen Studenten mit dem Gedanken der Werterhaltung eingehend vertraut gemacht werden. Jeweils drei Jahre wird solch ein Studium dauern, insgesamt 100 000 Mark Studiengebühr kosten. Gebühren, die die Studenten bezahlen müssen, monatlich mithin rund 2500 Mark für die Campus-Uni mit festem Stundenplan. Genau an diesem Punkt, – beim Geld – setzten kritische Fragen der Zuhörer an. Professor Nicolaus Mexis räumte ein, die Privat-Uni befinde sich in einem Dilemma: Ohne Standort könne weder Werbung bei künftigen Studenten gemacht noch könnten bei Firmen finanzielle Beteiligungen ausgehandelt oder staatliche Zulassungen beantragt werden. Diese dauere drei Jahre. Doch ohne Studenten – Mexis spricht von 20 Anmeldungen – wackelt das Finanzkonzept, denn die Studiengebühren machen mindestens 70 Prozent der Budgets aus, wie der Professor bestätigte. Als immer wieder Fragen aus dem Publikum über die Solidität der Finanzen kamen, reagierte der Uni-Sprecher ungehalten. Erst besänftigende und mahnende Worte vom Podium sorgten wieder für einen ruhigeren, sachlichen Ton. Die Vertreter der Parteien signalisierten vor den 200 Bürgern durchweg ihre Zustimmung zur Vision vom Uni-Standort Babenhausen. Allerdings betonten alle, dass noch viele Punkte geklärt werden müssten: Welchen Anteil des Kaufpreises von vier Millionen Mark wird die Stadt tragen, wie viel die Uni? Oder wird die Privat-Uni nur mieten? Andererseits erklärten auch die Schlosskauf-Befürworter, dass die Stadt große Anteile an der Schlosskauf-GmbH verkaufen sollte, um den städtischen Haushalt zu entlasten. Doch das Startkapital der Uni scheint für eine starke Beteiligung zu Beginn nicht ausreichend zu sein. Fragen über Fragen also immer noch, nach wochenlangen Gesprächen. Und dann ein Ultimatum: Bis zum 31. Januar wolle er eine Entscheidung der Stadt, betonte Professor Mexis am Mikrofon. Sonst werde die Privat-Uni andere Räume im Ort suchen. TU-Präsident Johann Dietrich Wörner (Darmstadt) soll nun am Donnerstag erneut helfen, die immer kompliziertere und drängendere Schlossfrage in Babenhausen zu klären. Eines steht bereits heute fest: Dass Ultimatum bis zum Ende dieser Woche wird ohne Entscheidung verstreichen: Babenhausens Stadtverordnete treffen sich erst am kommenden Montag, um erneut über den Haushalt und die darin enthaltene Schlossfinanzierung abzustimmen. Frühestens dort könnte die Stadt mithin ihr Ja-Wort zur Kooperation mit der Privat-Universität geben. |